Die GwG
Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie ist
national und auf europäischer Ebene der größte Fachverband für Personzentrierte
Psychotherapie und Beratung. Die GwG wurde 1970 gegründet. Ihre
Mitglieder sind in allen Bereichen der psychotherapeutischen und
psychosozialen Versorgung sowie in der Beratung tätig.
1. Ziele
und Aufgaben der GwG
Die GwG fördert und unterstützt die seelische
Gesundheit der Bevölkerung in unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen.
Sie verbreitet den "Personzentrierten Ansatz" in Forschung und Lehre und
entwickelt ihn konsequent weiter.
2. Leistungskatalog
der GwG
Die GwG
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bietet
Fort- und Weiterbildungsgänge auf der Grundlage des Personzentrierten
Konzeptes an. GwG-Zertifikate werden national und international von vielen
Institutionen anerkannt.
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veranstaltet wissenschaftliche Kongresse und
Fachtagungen. Sie unterstützt Forschungsarbeiten und verleiht
Forschungspreise.
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informiert
über fachliche Entwicklungen und verbandspolitische Aktivitäten in ihrer
Zeitschrift "Gesprächspsychotherapie und Personzentrierte
Beratung". Dort veröffentlicht sie auch Fallstudien,
Forschungsberichte, theoretische Diskurse und Praxisberichte. Der
GwG-Verlag gibt wissenschaftliche Publikationen heraus.
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engagiert sich dafür, dass der Personzentrierte Ansatz
in der Gesundheitsversorgung und in den psychosozialen Arbeitsfeldern
verbreitet wird.
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betreibt Öffentlichkeitsarbeit, informiert die Medien,
führt eine Expertenkartei, präsentiert sich im Internet.
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kooperiert mit Universitäten und Fachhochschulen sowie
anderen Fach- und Berufsverbänden im In- und Ausland.
3. Der
Personzentrierte Ansatz
Der Personzentrierte Ansatz wurde von dem
amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers (1902–1987) aus seinen Erfahrungen
in der psychotherapeutischen und pädagogischen Arbeit mit Erwachsenen und Kindern
entwickelt. Seine wesentlichste Erkenntnis aus dieser Arbeit war: Im Mittelpunkt von Psychotherapie und Beratung steht die Person
– nicht das Problem. Menschen erfahren und lernen in Psychotherapie oder
Beratung, ihre verborgenen Fähigkeiten zu entwickeln und eigenständig Lösungen
für ihre Probleme zu finden.
Auf der Grundlage des Personzentrierten Ansatzes, der einem humanistischen
Menschenbild verpflichtet ist, entstanden national und international verbreitete Psychotherapie-
und Beratungsmethoden. Für das Psychotherapieverfahren ist in Deutschland der
Name "Gesprächspsychotherapie" bzw. "Klientenzentrierte
Psychotherapie" gebräuchlich.
Gesprächspsychotherapie wird
an psychologischen Instituten deutscher Universitäten gelehrt, erforscht und
weiterentwickelt und in zahlreichen anderen Fachbereichen der Hochschulen
und Fachhochschulen vertreten.
Grundlagen der Methode von Carl R. Rogers sind
systematische Beobachtungen und Erkenntnisse aus professionellen Beziehungen
in Psychotherapie und Beratung, die sich als hilfreich erwiesen haben.
Entscheidend dafür sind drei sogenannte "Variablen":
Die Therapeutin/der Therapeut bzw. die Beraterin/der Berater begegnen der Klientin/dem Klienten
- mit positiver Wertschätzung und Achtung
- vorurteilsfrei und versteht ihn aus dessen Lebenszusammenhängen
- ohne Fassade und Experten-Attitüde. Die Therapeutin/der Therapeut ist der Klientin/dem Klienten als konkrete Person
erfahrbar.
Eine so gestaltete Beziehung ermöglicht es der
Klientin/dem Klienten, sich selbst besser zu verstehen und zu akzeptieren.
Die "Kraft der Beziehung" (Rogers) hat zentrale Bedeutung. Das Entstehen
einer förderlichen Beziehung ist für den Erfolg psychotherapeutischer Arbeit
und Beratung entscheidend. Es schafft die Grundlagen, dass Menschen
Wachstumskräfte entfalten und Probleme (Symptome) besser bewältigen können.
Rogers gilt als Pionier der wissenschaftlichen
Psychotherapieforschung. Zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
konnte er seine Erfahrungen durch zielgerichtete Untersuchungen
wissenschaftlich bestätigen. Rogers entwickelte in den vierziger Jahren seine
Theorie zu der "Client Centered Therapy and Counseling", einem
effektiven und kostengünstigen Therapie- und Beratungsverfahren. Der
Hamburger Psychologe Reinhard Tausch führte das Verfahren als "Gesprächspsychotherapie"
in der BRD ein. Die Gesprächspsychotherapie zählt mit der Psychoanalyse und
der Verhaltenstherapie zu den klassischen Psychotherapieverfahren. Sie ist
besonders umfassend beforscht und dadurch als wirksames psychotherapeutisches
Verfahren ausgewiesen.
Über das Therapiekonzept hinaus haben die Gedanken und
Konzepte von Rogers grundsätzliche Bedeutung für alle zwischenmenschlichen
Beziehungen. Entsprechend fanden seine Ideen und Erkenntnisse Eingang in die
beratende und in die pädagogische Arbeit. Der Personzentrierte Ansatz bildet
eine Grundlage für alle psychosozialen Tätigkeitsfelder (z. B. soziale
Arbeit, Erziehung, Gesundheitswesen, Telefonseelsorge...). Auch für
Wirtschaft und Politik wird der Ansatz immer bedeutsamer.
Die deutsche Pädagogik wurde insbesondere von dem
Rogers-Schüler Thomas Gordon beeinflusst. Seine Bücher "Familienkonferenz" und
"Lehrer-Schüler-Konferenz" gehören zu den
Standard-Werken für den gesamten Bereich Erziehung.
Ganz generell geht der Personzentrierte Ansatz weit über
die oben aufgezählten Anwendungsfelder hinaus. Er ist mit seinen klaren
Forderungen, wie zwischenmenschliche Beziehungen gestaltet werden sollten,
eine umfassende kulturelle und politische Botschaft.
4. Struktur der GwG
Mitglied kann jede Person werden, die die Ziele der GwG fördert.
Die GwG ist ein Bundesverband, der regional gegliedert ist und eine
parlamentarische Struktur hat.
Regionalversammlungen wählen ihre Delegierten und
entsenden sie in das zentrale Entscheidungsorgan, die Delegiertenversammlung.
Die Delegierten koordinieren die Verbands- mit den regionalen Interessen. Auf
regionaler Ebene pflegen sie Kontakte zu Vertreterinnen und Vertretern der
Gesundheitspolitik, verhandeln mit regionalen Entscheidungsträgern und
kooperieren mit anderen Verbänden. Sie organisieren und initiieren regionale
Fachtagungen, Fortbildungsveranstaltungen und sorgen für einen interdisziplinären
Austausch.
Die GwG wird von einem Vorstand geleitet. Dieser
wird in seiner Arbeit durch die Bundesgeschäftsstelle und durch folgende
Fachgremien unterstützt:
- Wissenschaftlicher Beirat
- Ausschuss für Psychotherapie
- Ausschuss für Beratung
- Ausschuss für ethische Angelegenheiten und Beschwerden
- Ausschuss für den Haushalt
5. Mitglieder
ca. 3000 Mitglieder
- 65 %
Psychologinnen und Psychologen
- 12 %
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen
- 7 % Pädagoginnen
und Pädagogen
- 5 %
Studentinnen und Studenten
- 3 % Ärztinnen
und Ärzte
- 8 % andere
Die
Mitglieder arbeiten beispielsweise in Reha-Kliniken, psychosozialen
Beratungsstellen, bei Wohlfahrtsverbänden, in kirchlichen Einrichtungen,
Justizvollzugsanstalten, in der Wirtschaft oder in freier Praxis.
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