GwG

Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie

   Login    Kontakt    Impressum    Stichwortsuche    Downloads    Links  

 
 

Die GwG

Bildung

Psychotherapie

Beratung

Gesundheit und Soziales

Autorentexte

GwG-Verlag

Presse

Regionen

Termine

Medienbildung

Mitgliederforum

Elternschule

 

Legende:
interner Link
externer Link
Download
E-Mail-Adresse
Druckversion
Kommentar schreiben
Kommentare lesen/schreiben

 
Carl R. Rogers: Druckversion 

Der Wegbereiter:

Carl R. Rogers (1902–1987)

Der amerikanische Psychologe Carl R. Rogers hat den Personzentrierten Ansatz begründet und den Weg zu dessen weltweiter Verbreitung geebnet. Rogers hat zeitlebens erforscht, wodurch sich hilfreiche Beziehungen in Therapie, Beratung und anderen Bereichen auszeichnen und entwickelte seinen Ansatz bis ins hohe Alter weiter.
 

Inhalt

Lebensstationen

Rogers sprach gerne darüber, wie seine Arbeit begonnen hat, und er erinnerte sich stets daran, wie sehr Kindheit und Jugend ihn beeinflusst haben. Er stammte aus einer großen, wohlhabenden Familie im mittleren Westen der USA und war das vierte von sechs Kindern. Rogers’ Familienleben war vom konservativen, puritanischen Protestantismus geprägt. Als Carl Rogers zwölf Jahre alt war, kaufte sein Vater eine Farm – die Familie zog aufs Land, "um die Kinder vor den Gefahren der Stadt zu bewahren". Rogers zeigte früh Interesse an der Natur und naturwissenschaftlichen Fragestellungen, so dass er bereits mit zwölf Jahren die Bibliotheken durchstöberte. Sein Vater, ein Ingenieur, versuchte, die Landwirtschaft mit wissenschaftlichen Methoden zu erneuern. Rogers ließ sich von dem Forscherdrang seines Vaters anstecken und begann, wissenschaftliche Literatur über Ackerbau und Viehhaltung zu lesen.

Dabei entstand sein nie nachlassendes Interesse an wissenschaftlicher Arbeit. Er beobachtete Ereignisse genau, zog Schlussfolgerungen, entwickelte Lösungsstrategien und erforschte mit Akribie, ob diese sich in der Praxis bewährten. Seine genaue Beobachtung und praktische Erfahrung führten ihn zu den Fragen, auf die er Antworten suchte. Scheinbar unerklärliche Zusammenhänge schienen ihm nach einer inneren Ordnung zu funktionieren. Rogers wollte deren Wesensart erkennen und erklären – das wurde letztlich sein Lebensziel. Seine kindliche Neugier mit Methode hat ihn nie verlassen.

Der junge Rogers begann zunächst an der Universität Wisconsin Agrarwissenschaft zu studieren, brach nach zwei Jahren das Studium ab, wechselte dann in das Fach Geschichte, später zur Theologie. Zunächst wollte er Pfarrer werden. Doch eine sechsmonatige Studienreise nach China, die er im Alter von 20 Jahren unternahm, führte zu einer grundsätzlichen Wende. Zunehmend beschäftigte sich Rogers auf der Reise mit fernöstlicher Philosophie und emanzipierte sich dabei von seinem puritanisch-protestantischen Elternhaus. Mit 22 Jahren heiratete er gegen den Willen seiner Eltern Helen Elliot, eine Jugendliebe, die er seit seiner Kindheit kannte. Die beiden zogen nach New York.

Rogers setzte sich zunehmend mit seinen religiösen Wurzeln auseinander. Dabei entstand sein Bedürfnis, dem einzelnen zu helfen, ohne einer bestimmten religiösen Doktrin folgen zu müssen. Er beschloss daher, Psychologie an der Columbia University zu studieren, sattelte jedoch bald in den Bereich Erziehungsberatung um. Schließlich arbeitete er zunächst in einer heilpädagogischen Beratungsstelle in Rochester, New York. Dort betreute er verhaltensauffällige Kinder, von denen viele aus dem Unterschichtmilieu kamen. Zwar war die Arbeit schlecht bezahlt und isolierte Rogers von der akademischen Psychologie. Sie gab ihm jedoch die Möglichkeit, genau die Arbeit auszuführen, die ihn am meisten interessierte. Nach seinem Doktorat in Klinischer Psychologie 1931 folgte ein Jahrzehnt intensiver Arbeit in der Erziehungsberatung. Hier entwickelte er die non-direktive Beratung, die der Ausgangspunkt einer völlig neuen Art der therapeutischen Beziehung werden sollte. Dennoch blieb ihm die akademische Psychologie lange verschlossen, und er lehrte in der Erziehungswissenschaft und Soziologie. Während seiner Zeit in Rochester wurden seine Tochter und sein Sohn geboren.

Der akademische Durchbruch in der Psychologie gelang Rogers 1940, als er eine Professur an der Ohio State Universität erhielt. In einem Vortrag schilderte er seine Praxiserfahrungen und die theoretischen Fragen, die sich daraus ergaben. Dies war der Ausgangspunkt neuer Sichtweisen auf Psychotherapie und Beratung, die Rogers für den Rest seines Lebens weiterentwickelte, erforschte und die ihn international bekannt machten. Nach vier Jahren wechselte er für zwölf Jahre an die Universität von Chicago und baute dort ein Beratungszentrum auf. Sein Ansatz wurde zunehmend bekannt und zog Hunderte von Studenten/innen an. 1957 kehrte Rogers für kurze Zeit an die Universität Wisconsin zurück, bevor er 1964 eine Forschungsstelle in La Jolla, Californien annahm. Aus seinem Forschungsinstitut heraus verbreiteten Rogers‘ und seine Schüler/innen und er den Personzentrierten Ansatz weltweit.

Rogers arbeitete unermüdlich: als Therapeut, als Forscher, als Universitätsprofessor – als Autor schrieb er Fachbücher und Artikel bis ins hohe Alter. Mit zunehmendem Alter setzte er sich international dafür ein, Konfliktparteien ins Gespräch zu bringen, gab weltweit Seminare, z.B. in Südafrika, um den Dialog zwischen Schwarzen und Weißen zu fördern und die Rassendiskriminierung zu überwinden. In verschiedenen Staaten des damaligen Ostblocks engagierte Rogers sich dafür, den "eisernen Vorhang" durchlässiger zu machen und Menschen unterschiedlicher Gesellschaftssysteme miteinander in einen Dialog zu bringen. Im Alter von 85 Jahren starb er 1987, als er sich von einem Oberschenkelhalsbruch nicht mehr erholte. Zwei Wochen vor seinem Tod war er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden.
 

Spuren in die Gegenwart

Wie können wir Beziehungen gestalten, die hilfreich sind und einen anderen Menschen in seiner Entwicklung fördern? Das war die Frage, die Rogers lebenslang beschäftigte. Und seine Antwort wirkt zunächst einfach, fast selbstverständlich und war dennoch weitreichend und in der Psychologie nahezu revolutionär: Unterstützende Beziehungen zeichnen sich vor allem aus durch grundlegendes Vertrauen in die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen und des Lebens. Diese Erkenntnisse wurden keineswegs nur begrüßt. Sie lösten heftige Debatten aus. Bis heute dauert die Kontroverse an, die Psychotherapie und Beratung durchzieht: Welchen Stellenwert räumen Therapeuten/innen und Berater/innen der Kontrolle menschlichen Verhaltens ein, welchen dem Vertrauen, dass Menschen ihre Entwicklung selbst bestimmen?

Rogers brach mit mehreren Tabus seiner Zeit. Das wichtigste war, dass er Psychotherapie und Beratung aus dem Dunst einer Geheimwissenschaft befreite und sie wissenschaftlichen Untersuchungen öffnete. Seine Schallplatten-Aufzeichnungen von Therapiegesprächen machten erstmals exakte Analysen möglich. Die Therapeut-Klient-Beziehung wurde Gegenstand von Forschung, ein eigener Forschungszweig. Dabei war es nicht Rogers’ Anliegen, einen neuen eigenständigen Ansatz zu definieren, sondern zunächst lediglich die Merkmale hilfreicher Beziehungen im Allgemeinen zu erforschen. Seine Methode, Gespräche aufzuzeichnen und zu analysieren, ist heute zentraler Bestandteil der Ausbildung in Supervision und Psychotherapie. Dass sich in späteren Jahren aus Rogers’ Forschungsergebnissen ein eigenständiges Verfahren für Psychotherapie und Beratung entwickelte, war Folge der überzeugenden Erkenntnisse seiner Forschungen.

Rogers ging es nicht nur darum, seine Forschungsergebnisse ausschließlich dem Fachpublikum im Expertenjargon bekannt zu machen. Neben seiner regen Autorentätigkeit suchte er andere Medien, um seine Erkenntnisse zu veröffentlichen. So produzierte er beispielsweise einen viel beachteten Dokumentarfilm über seine Arbeit mit einer Gruppe. Öffentlich, auf Kongressen, in Seminaren und vor großem Publikum führte er seine Methode nach dem Personzentrierten Ansatz in Gesprächsdemonstrationen durch. Als er nach dem Erfolg eines seiner Bücher in den USA in eine Talkshow eingeladen wurde, lehnte er jedoch ab. Persönliche Popularität und Ehrungen seiner Person waren ihm unwichtig. Rückblickend schilderte Rogers, es erfülle ihn mit Freude, auf ein langes und erfülltes Leben zurückzublicken, und zu erleben, wie der Personzentrierte Ansatz weltweit das Leben von Menschen positiv beeinflusste.

Rogers Arbeit hat bis heute die Praxis und die Forschung zur Psychotherapie nachhaltig geprägt. Seine Bücher erzielten hohe Auflagen und wurden in mehr als 60 Sprachen übersetzt. Als Professor für Psychologie erhielt er zahlreiche Ehrendoktorwürden von etlichen Universitäten, so auch der Universität Hamburg und der Universität Leiden/Holland. Er lehrte weltweit, baute Forschungs- und Beratungszentren auf und engagierte sich international für den Dialog zwischen einzelnen Menschen, Gruppen und Nationen. Er war Präsident der APA (American Psychological Association) und wurde mit einer Reihe von Preisen geehrt, u.a. dem Preis der APA für Forschungsbeiträge in der Psychotherapie.
 

Weiterführende Literatur

Groddeck, N. (2002): Carl Rogers. Wegbereiter der modernen Psychotherapie. Darmstadt: Primus.
Rogers, C. R. (2000): Entwicklung der Persönlichkeit. Psychotherapie aus der Sicht eines Therapeuten. 13. Aufl. Stuttgart: Klett–Cotta.
Rogers, C. R. (1984): Freiheit und Engagement, Personzentriertes Leben und Lernen. München: Kösel.

 
 
Download

Infoheft "Der Personzentrierte Ansatz: Geschichte – Theorie – Praxis" (PDF, 837KB)

 

© 2010 GwG e.V. Köln