Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Personzentrierte Elternschule

Personzentrierte Elternschule – was ist das überhaupt?
Die Personzentrierte Elternschule (PzE) ist ein spezielles Angebot der GwG. Es  basiert auf dem psychologisch-pädagogischem Konzept des Personzentrierten Ansatzes nach Carl Rogers und ist vor allem gekennzeichnet durch die Werthaltungen Empathie, Kongruenz und Wertschätzung. Dabei geht es darum, Eltern zu befähigen, sich in ihre Kinder hineinzuversetzen, in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen zu kommen und ihre Positionen klar auszudrücken, damit sich Beziehung innerhalb der Familie entwickeln kann und ein Miteinander entsteht. In dieser konsequent beziehungsorientierten Ausrichtung liegt die besondere Stärke der PzE. Die Eltern erfahren sich dabei in ihrer Gesamtpersönlichkeit und ihren verschiedenen Rollen. Sie erleben den Zusammenhang zwischen ihrer eigenen Biografie und ihrem Erziehungsverhalten. Die daraus folgende Veränderung der Wahrnehmung hilft den Eltern dabei, ihre Persönlichkeit zu stärken. Sie  entwickeln neue Kompetenzen und werden befähigt, ihr eigener „Ratgeber“ zu sein.

Wie geht ein Berater in der Arbeit mit Eltern im Sinne der Personzentrierten Elternschule vor?
Die PzE gliedert sich in acht Bausteine. Jedes Treffen besteht aus einem Informationsteil und einem erlebnisaktivierenden Teil, in dem die Teilnehmer in Kleingruppen und Rollenspielen arbeiten. In einem Abschlussplenum werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst. Der Personzentrierte Berater ist dabei vor allem Modell für einen wertschätzenden, empathischen und ehrlichen Umgang der Teilnehmer miteinander. Er sorgt für ein Klima des Vertrauens und einen achtsamen, einfühlenden respektvollen Umgang miteinander. Er macht keine Vorschläge, sondern stärkt die Ressourcen der Eltern und fördert ihre Wahrnehmung und ihr Selbstvertrauen. Dabei schafft er einen Raum für den einzelnen, behält den Gruppenprozess im Blick und achtet darauf, dass am thematischen Ziel jedes Treffens gearbeitet wird.

Welche Themen kommen in der Personzentrierten Elternschule besonders häufig vor?
In das Konzept der PzE sind neben wissenschaftlichen Erkenntnissen vor allem Erfahrungen aus der praktischen Arbeit mit Eltern eingeflossen. Viele Eltern sind beispielsweise verunsichert beim Thema Grenzen-Setzen. Diesem Thema ist ein eigener Baustein gewidmet. Auch die Erwartungen der Eltern an ihre Kinder spielen eine Rolle. Hinzu kommt die Frage, welchen Einfluss Kinder auf die  Partnerschaft der Eltern haben. Weitere Aspekte sind Strafen und Drohungen in Konflikten mit Kindern sowie das Thema Autoritätsverlust.

Vor welchen Herausforderungen stehen Personzentrierte Berater in der Arbeit mit Eltern?
Eltern stehen unter dem Druck, alles richtig zu machen. Sie wollen das Beste für ihr Kind. Für das Eltern-Sein sind sie aber nicht ausgebildet und so erwarten sie vom Berater schnelle Lösungen für das Problem: klare Verhaltensanweisungen zum Beispiel oder ein „Rezept“. Der Berater muss diesen Forderungen widerstehen und die Eltern dazu befähigen, ihren individuellen Weg zu finden.

Ein Fallbeispiel aus der Personzentrierten Elternschule:
In Baustein 2 der PzE geht es beispielsweise um die Schulung der Wahrnehmung: Hier wird als methodisches Mittel häufig ein sogenanntes „Kippbild“ eingesetzt, das je nach Wahrnehmung eine alte oder eine junge Frau zeigt. Eine Teilnehmerin konnte sich nicht davon lösen, in dem Bild ausschließlich die junge Frau zu sehen – auch nicht unter Hilfestellungen der anderen Eltern. In dem Treffen ging es weiter darum, wie Eltern ihre Kinder wahrnehmen und wie sie deren Verhalten womöglich auch aus einem anderen Blickwinkel sehen können. Die junge Mutter tat sich schwer damit. Im Plenum am Ende des Treffens meldet sie – nachdenklich, aber auch erleichtert über ihr diese neue Erfahrung – zurück: „Ja, genau so, wie ich das Kippbild immer nur in einer Weise sehen konnte, sehe ich mein Kind auch immer nur in der gleichen Weise. Ich bin gar nicht offen. Ich sehe immer alles nur so, wie ich es will …“.

In welchem Kontext kann die Personzentrierte Elternschule stattfinden?
Die PzE wird in vielen psychosozialen Bereichen angeboten: zum Beispiel in Familienberatungsstellen, Kindertagestätten, Schulen, Ambulanzen oder psychiatrischen Kliniken, aber auch in freier Praxis und im Rahmen des sozialpsychiatrischen Dienstes, zum Beispiel in Mutter-Kind-Gruppen.

Nähere Informationen und nächster Kurstermin für die Fortbildung "Personzentrierte Elternschule - Qualifizierungskurs" finden Sie unter Fortbildung.