Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Presse und Aktuelles

Köln, 01. Dezember 2015

Ohne Beratung geht es nicht

PRESSEMITTEILUNG
 

Fachverbände beziehen Position

Menschen sollen leistungsfähig und erfolgreich sein, zärtliche Partner/innen, liebevolle und kompetente Eltern, schön und schlank, gesund, gut vernetzt und dabei auch stets gut gelaunt. Steigende Anforderungen im Berufsleben, aber auch im privaten und familiären Umfeld, führen in die Überforderung, wenn sie verinnerlicht und zu unhinterfragten Ansprüchen an sich selbst gemacht werden. In den Selbstansprüchen spiegeln (reflektieren) sich allzu häufig unreflektierte Ansprüche einer Gesellschaft, die ständige Selbstoptimierung einfordert (Reflexive Gesellschaft).

Professionelle Beraterinnen und Berater begegnen in der Praxis zunehmend Anzeichen der Überforderung: Eine Welt beschleunigten gesellschaftlichen Wandels konfrontiert alle – einzelne Menschen genauso wie Familien, Vereinigungen, Organisationen und Unternehmen – mit steigenden Anforderungen und Selbstansprüchen und verlangt von ihnen:

  • sich immer wieder mit sich selbst, ihren Beziehungen und ihrer Position in der Gesellschaft auseinanderzusetzen,
  • gesellschaftliche Entwicklungen zu beobachten, sich zu ihnen zu verhalten und
  • Konsequenzen für das eigene Leben und Handeln zu ziehen.
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Angesichts dieser komplexen Herausforderungen nehmen Personen und Organisationen mittlerweile so oft und so vielfältig die Dienstleistung „Beratung“ in Anspruch, dass eine beratungslose Gesellschaft unvorstellbar geworden ist: Beratung ist gängige Praxis und feste Institution in allen Lebens- und Arbeitsbereichen.

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) und der GwG als einem ihrer Mitgliedsverbände muss professionelle Beratung deshalb mehr sein als rein informatorisches „Rat-Geben“. Sie muss Ratsuchenden helfen, ihre sozialen Bezüge und verinnerlichten Ansprüche kritisch zu prüfen und Konsequenzen für ihre Selbstgestaltung zu entwickeln. Sie nimmt – wissenschaftlich fundiert und in professioneller Weise – die gesellschaftlichen Zusammenhänge und politischen Diskurse in den Blick und stellt unangemessene Ansprüche infrage. Dabei ist sie allein den Menschen- und Grundrechten sowie den Erfordernissen von Gerechtigkeit und Partizipation verpflichtet. 

Die Mitglieder der DGfB haben diese Haltung bei ihrer Mitgliederversammlung im November 2015 in Köln bekräftigt und im Positionspapier „Beratung in der reflexiven Gesellschaft“ dokumentiert. Das Positionspapier kann von der Website der DGfB www.dachverband-beratung.de heruntergeladen werden.