Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Presse und Aktuelles

Köln, 22. April 2014

"PEPP schafft falsche Anreize"

PRESSEMITTEILUNG
 

Stellungnahme der GwG zum pauschalisierenden Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP)

Das Entgeltsystem PEPP (Pauschalierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik) wird seit 2009 mit dem Ziel entwickelt, stationäre und tagesklinische Krankenhausleistungen gerechter zu vergüten. Die GwG hat ebenso wie andere Betroffenen-, Angehörigen- und Fachverbände erhebliche Bedenken gegen die Einführung dieses Systems in seiner bisherigen Form.

Stationäre und tagesklinische Krankenhausleistungen in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik werden bisher von den Krankenkassen in Form tagesgleicher Pflegesätze vergütet: Das jeweilige Krankenhaus erhält für jeden Patienten den gleichen Tagessatz, unabhängig von der erforderlichen oder erbrachten Leistung. Dieses System ist vergleichsweise einfach, aber nicht leistungsgerecht. Mit PEPP hingegen sollen künftig Krankenhausleistungen und nicht Behandlungstage finanziert werden. Nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums soll die Dokumentation nach PEPP ab dem 1. Januar 2015 verbindlich eingeführt werden. Ab 2017 soll die Vergütung der Krankenhausleistungen nach diesem System erfolgen.

Grundsätzlich begrüßt die GwG ebenso wie viele andere Verbände die Entwicklung eines pauschalisierenden Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik und die Ablösung des bisherigen Systems der Vergütung tagesgleicher Pflegesätze. Es besteht aber aus Sicht des Verbandes die Gefahr einer vorzeitigen Entlassung schwer kranker Patienten aus stationärer oder teilstationärer Behandlung. Diese Gefahr ist dadurch gegeben, dass die Vergütung mit der Verweildauer sinkt: Je länger ein Patient behandelt wird, umso weniger Geld müssen Kostenträger für die Behandlung zahlen. „Das geht an den Belangen der Betroffenen  vollkommen vorbei“, sagt Prof. Dr. Hans-Jürgen Luderer vom Wissenschaftlichen Beirat der GwG. „Eine solche Regelung schafft falsche Anreize und wird den Schwankungen individueller Krankheits- und Behandlungsverläufe nicht gerecht.“ Ungeklärt sei auch die Finanzierung des hohen Dokumentationsaufwands: „Wenn hierfür ein Teil des Krankenhausbudgets eingesetzt werden soll, fehlt an anderer Stelle Personal für die unmittelbare Versorgung der Patienten“, so Luderer weiter. Stattdessen müsse über Alternativen nachgedacht werden.

Über 43.000 Unterstützer, darunter zahlreiche Betroffenen-, Angehörigen- und Fachverbände, haben hierzu u. a. die Bundestagspetition des Selbsthilfevereins Pandora unterzeichnet. Hierin fordern sie, dass PEPP an den Kliniken frühestens 2017 verbindlich eingeführt und dass bis dahin an einem sinnvollen Entgeltsystem gearbeitet wird. Damit ist die Politik nun zum Handeln aufgefordert.


GwG-Ansprechpartner für die Presse:
Prof. Dr. Hans-Jürgen Luderer
Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der GwG / 
Chefarzt am Klinikum Weissenhof
Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie West
74189 Weinsberg
Tel.: 07134 / 751020
Mail: h.luderer@klinikum-weissenhof.de