Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Presse und Aktuelles

Köln, 06. März 2012

Verloren im Netz

PRESSEMITTEILUNG
 

Onlinespiele, E-Shopping,  soziale Netzwerke – immer mehr Menschen gefährden durch übermäßige Internetnutzung ihre Gesundheit. Die sogenannte Onlinesucht rückt mit der „Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik“ der Bundesregierung nun stärker in den Fokus – aus Sicht der Gesellschaft für personzentrierte Psychotherapie und Beratung (GwG) ein richtiger, längst überfälliger Schritt. Um Medienkultur und -kompetenz in der Bevölkerung zu stärken, ist der Verband auf vielen Ebenen aktiv.

Das Internet kann krank machen: Allein an der AHG Klinik Münchwies, die auf Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Suchtmedizin spezialisiert ist, waren im letzten Jahr über 100 Patienten aus diesem Grund in Behandlung. „Das ist bisher die höchste Fallzahl innerhalb eines Jahres“, sagt Wolfgang Bensel. Er ist therapeutischer Mitarbeiter der Klinik, die derzeit im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bund eine Studie zum pathologischen PC-/Internet-Gebrauch durchführt. Erstrebenswert sind eine Anerkennung als Krankheit, ein Ausbau der Behandlungsangebote und eine dauerhafte Finanzierung. „Dabei sollte man allerdings mit dem Suchtbegriff vorsichtig sein“, so Bensel. „Vielfach stecken hinter der exzessiven Online-Nutzung andere psychische Störungen und Erkrankungen.“

Auch die GwG Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie nimmt sich dem Thema an und befürwortet die „Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik“, die das Bundeskabinett am 15. Februar verabschiedet hat. „Es genügt aber nicht, dass die Politik nun auf das Problem aufmerksam geworden ist – was folgen muss, sind geeignete Angebote für die Betroffenen und ihre Angehörigen“, sagt Birgit Wiesemüller vom Vorstand der GwG. Seinen eigenen Beitrag leistet der Verband zum Beispiel durch die Vermittlung von Beratern und durch Weiterbildungsangebote im Suchtbereich. Seit Jahren qualifiziert er Berater und Therapeuten zur Tätigkeit im Bereich der Suchtkrankenrehabilitation.

„Wir möchten aufzeigen, dass psychische Probleme, die im Zusammenhang mit der Internetnutzung auftreten, längst nicht mit mangelnder Medienkompetenz zu tun haben – im Gegenteil: Viele Jugendliche, die krankhaftes Onlineverhalten zeigen, sind höchst medienkompetent“, sagt Wolfgang Bensel, der zusätzlich zu seiner therapeutischen Tätigkeit in Münchwies die Weiterbildung zum Suchttherapeuten bei der GwG leitet. „Wichtig für Betroffene ist vielmehr, dass sie lernen, verantwortungsvoll und reflektiert mit dem Internet umzugehen und neben der Kompetenz eine Medienkultur entwickeln. Dass sie den Wert ‚realer’ Freundschaften und persönlicher Kontakte wieder zu schätzen wissen.“ Seitens der Angehörigen sei, so Bensel, die Schulung der Medienkompetenz dagegen eher angebracht: „Eltern sollten die Risiken aber auch die Chancen der neuen Medien kennen. Und sie sollten wissen, wie sie ihre Kinder zu einem achtsamen Umgang mit dem Internet erziehen."

 

Ansprechpartner für weitere fachliche Fragen:

Wolfgang Bensel
Leiter der GwG-Weiterbildung für Suchttherapeuten
Tel.: 06858 691209
Mail: wbensel@ahg.de