Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Personzentrierte Suchttherapie

Personzentrierte Suchttherapie – was ist das überhaupt? 
Der Ansatz verbindet die personzentrierten Prinzipien mit Interventionen, die sich an den Besonderheiten der Symptomatik von Suchterkrankungen orientieren. Die Beziehung ist auch hier eine der wichtigsten Ressourcen für den Veränderungsprozess. Zielgruppe sind Menschen mit stoffgebundenen Suchterkrankungen (Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit) und zunehmend auch Personen mit nicht-stoffgebundenen Suchtstörungen (z. B. Glücksspielsucht, Computer- und Internetsucht). Suchttherapien haben in der Regel eine dauerhafte, zufriedene Abstinenz zum Ziel.

Wie geht ein Personzentrierter Suchttherapeut in der Arbeit mit Klienten in der Regel vor?
Ein Schlüsselthema, vor allem zu Beginn der Therapie, ist die Arbeit an der meist brüchigen Veränderungsmotivation. Die Bereitschaft sich mit der eigenen Suchtproblematik auseinanderzusetzen ist allerdings ein Prozess, der gezielt gefördert werden kann. Am Anfang steht bei den Betroffenen die Phase der Absichtslosigkeit. Ihr folgt ein meist längerer Abschnitt der Ambivalenz, der in eine Entscheidungsphase münden sollte. Erst dann ist es möglich, die mit der Suchterkrankung verbundenen Probleme in den Blick zu nehmen und zu bearbeiten. Für den weiteren Verlauf gilt: Rückfälle sind immer möglich und sollten in jedem Fall bearbeitet werden. Suchttherapeuten sollten diese Prozesse kennen und zu beantworten wissen.

Welche Themen / Problemfelder kommen in der personzentrierten Suchttherapie besonders häufig vor?
Suchterkrankungen sind häufig. Allein die Zahl der Alkohol- und Medikamentenabhängigen in Deutschland liegt bei ca. drei Millionen. Die wenigsten Betroffenen sind allerdings bereit, fachspezifische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist nicht nur ein Problem fehlender gesellschaftlicher Akzeptanz, sondern auch ein krankheitsimmanentes Merkmal. Folglich steht jeder Suchttherapeut zunächst vor der Aufgabe, die Motivation des Klienten aufzubauen und zu fördern. 

Vor welchen Herausforderungen stehen Personzentrierte Suchttherapeuten in ihrer Arbeit
Eine zentrale Herausforderung ist es, die Betroffenen dabei zu unterstützen, zu erkennen, welche Funktion das Suchtmittel für sie hat. Da Sucht bei den Betroffenen häufig mit Scham einhergeht, ist auch die explizite Wertschätzung von großer Bedeutung. Hinzu kommt das Vertrauen in die eigenen Stärken, das der Personzentrierte Ansatz gezielt fördert: Er hilft dabei, dass die Klienten von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit kommen und zu sich selbst finden.

Welche persönlichen Voraussetzungen müssen Personzentrierte Suchttherapeuten mitbringen?
Suchtberater und -therapeuten haben meist ein Studium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik oder der Psychologie absolviert. Für die Durchführung von Rehabilitationsbehandlungen ist eine Zusatzqualifikation als Sozialtherapeut oder als Psychologischer Psychotherapeut erforderlich. Aber auch im Bereich der Suchtberatung sind qualifizierende Ausbildungen sinnvoll und hilfreich. Die GwG bietet entsprechende Weiterbildungen an.

Ein Fallbeispiel aus der personzentrierten Suchttherapie:
René F. war zum zweiten Mal im Zeitraum eines Jahres zur stationären Alkoholentwöhnungsbehandlung in der Klinik. Einige Monate nach Abschluss der ersten Therapie war er wegen eines Partnerschaftskonfliktes rückfällig geworden. Er war wütend, verzweifelt, traurig, entschied sich aber zu einer zweiten Entwöhnungsbehandlung. Auch in dieser Phase wurde er nochmals rückfällig. Anfänglich wollte er den Rückfall verschweigen, entschloss sich aber nach kurzer Zeit in der Gruppe, darüber zu sprechen. Dabei berichtete er: „Diesmal hat mir das Trinken null Spaß gemacht. Ich habe nichts davon gehabt. Die ersehnte Entspannung und Erleichterung ist nicht eingetreten. Das Ganze bringt mir nichts mehr, es ist einfach kein stimmiger und gangbarer Weg mehr für mich.“ Die Gruppe unterstützte ihn in dieser Phase. Niemand verurteilte ihn für seinen Rückfall. Einige berichteten von ähnlichen Erfahrungen und René beendete die Gruppensitzung mit dem Satz: „Ich spüre es, ich bin durch damit, der Alkohol ist kein Ausweg mehr und ich will es so auch nicht mehr. Meine Probleme werde ich zukünftig nüchtern lösen ...“ 

In welchem Bereich arbeiten Personzentrierte Suchttherapeuten?
Personzentrierte Suchttherapeuten arbeiten meist in ambulanten und stationären Behandlungen im Bereich von Abhängigkeitserkrankungen. Durchgeführt werden diese Therapien ambulant in Suchtberatungsstellen, stationär in Rehabilitations- fachkliniken für Entwöhnungsbehandlungen und in Adaptionseinrichtungen.

Literaturtipps:
Bensel, W. & Fiedler, D. (Hrsg.) (2012). Personzentrierte Beratung und Behandlung von Suchtstörungen. Köln: GwG.
Vogelgesang, M. & Schuhler, P. (Hrsg.) (2016). Psychotherapie der Sucht. 3. Auflage. Lengerich: Pabst Science Publishers.
Miller, W. R. & Rollnick, S. (2005). Motivierende Gesprächsführung. 2. Auflage. Freiburg i. Br.: Lambertus. 
Finke, J. (2004). Gesprächspsychotherapie. 3. Auflage. Stuttgart: Thieme.